Warum der Kiez in Berlin multikulturell ist

Die eigentliche Definition von „Kiez“ ist die Gemeinschaft von Bürgern innerhalb einer geografischen Einheit in einer Großstadt. Der Kiez ist kein Verwaltungsbezirk oder Stadtteil, auch wenn manchmal die Namen gleich sind. Es geht bei dem Begriff mehr um das soziale Gefüge.

In Berlin ist vor allem Kreuzberg als ein Kiez berühmt geworden, der eine sehr spezielle Zusammensetzung hat. Hier haben sich einst die ersten türkischen Gastarbeiter im Westteil der Stadt angesiedelt, weil die Wohnungen günstig waren.

Bald kamen andere Bevölkerungsgruppen hinzu und Kreuzberg entwickelte sich zum Vorzeigeprojekt für das multikulturelle Zusammenleben. Das lag aber auch zu einem großen Teil daran, dass gerade die Westdeutschen, die nach Berlin kamen, nach einer solchen sozialen Zusammensetzung suchten. So mancher wollte sich in der Zeit der Teilung von westlichen Zwängen befreien und als Underdog in Kreuzberg leben, dasnicht gerade eine der feinsten Adressen in Berlin war.

Veränderungen nach der Vereinigung

Nach der Wiedervereinigung begannen die Mieten in allen Innenstadtlagen zu steigen und damit kam auch die Veränderung in Kreuzberg. Zwar ist noch immer in einigen Straßen etwas vom ursprünglichen Kiez übrig geblieben.

Um den Charme, aber auch die Zusammensetzung zu sichern und einer Gentrifizierung vorzubeugen, hatte die Berliner Stadtverwaltung einst den Milieuschutz eingeführt. Damit wurde Altmietern ermöglicht, weiterhin in ihren Wohnungen bleiben zu können. Allerdings sind die Hippies der 70er-Jahre und ihre Hollandräder längst den Hipstern gewichen, die im geliehenen E-Scooter unterwegs sind. Sie schätzen aber dennoch den Kiez und wollen gerne Teil dieser sozialen Gemeinschaft sein.

Hier siedeln sich auch viele ausländische Künstler und Freiberufler an. Aus den einstigen Gastarbeitern sind heute internationale Arbeitskräfte geworden, die aber den Austausch der Kulturen immer noch am Leben erhalten. Den klassischen Döner für einen Euro kann man immer noch kaufen, es gibt ihn aber jetzt auch glutenfrei und auf Wunsch in einer vegetarischen und veganen Variante, gerne auch im Salatblatt eingewickelt.